Normandie (2) Honfleur - Pays d'Auge - Omaha Beach

Aktualisiert: 12. Okt.





Honfleur


Die grosse Stadt Le Havre liessen wir bewusst aus, weil wir lieber die kleinen hübschen Dörfchen suchten. Etwas empört über die EUR 5.60 Maut, die die Franzosen für die wenigen Minuten Überquerung einer Brücke verlangen, fuhren wir dem Städtchen Honfleur entgegen. Wir Schweizer sind wirklich doof, dass wir alle gratis den Gotthard passieren lassen - klar gibts die Vignette für CHF 40, aber für das ganze Jahr wohingegen wir für die Hinfahrt schon 30 Eur Maut bezahlt hatten und für die Rückfahrt würden es nochmals 60Eur werden.



Honfleur hat seinen guten Ruf als malerisches Städtchen mit besonderem Flair mehr als verdient. Es ist einfach nur wie aus einem Bilderbuch, wo man auch hinsieht. Wir parkten den Bulli mittendrin und liefen direkt an einen tollen Bioladen. Der Eigentümer bediente uns persönlich und suchte die besten Leckereien zusammen: frische Pfirsiche, selbst gewürzte eingelegte Oliven, ein Calvados Balsamico, glutenfreie Kekse im Glas. Beseelt und happy über dieses Einkaufserlebnis bei jemandem, der mit Herzblut von seinem Geschäft lebt und uns nur Gutes wollte, verliessen wir den Laden mit unserer Tüte und platzierten sie im Bulli.


Dany entschied sich dafür in Ruhe eine Tasse Tee zu trinken während ich meine Füsse nicht stillhalten konnte und alles in Bildern festhalten wollte. So machte ich mich alleine auf eine Fototour. Anschliessend holte ich Dany wieder ab und wir schlenderten noch gemeinsam durch das Städtchen. Der App Happy Cow sei dank, die vegane Restaurants auf der ganzen Welt aufgeführt hat, fanden wir das einzige Lokal im Umkreis von mehreren Dutzend Kilometern, das auch etwas zu Essen für uns hatte. Unglaublich aber wahr haben viele Restaurants nicht einmal ein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte, weil selbst auf dem Salatteller noch tote Tiere enthalten sind.


Wir liefen noch zum Ende des Städtchens und dabei zog ein kleiner Laden seine Aufmerksamkeit auf mich. Kaum drinnen dachte ich 'ui nein' und wollte schonwieder raus, weil mich unzählige, etwas altbacken aussehende, Stofftiere anguckten. Mein Blick fiel dann allerdings auf eine Ecke mit Kissen zum halben Preis und ich fand meinen Favoriten. Als ich das Kissen umarmend zur Kasse kam schmunzelte mich die Ladenbesitzerin an und meinte das Kissen ist ‘pour la bonheur’ (für das Glücklichsein). Wie recht sie hat.


Schliesslich wollten wir uns langsam auf den Weg zum ausgesuchten Camping machen, der 10km von Honfleur weg liegt, aber keiner von uns wollte dieses schöne Örtchen schon so früh verlassen. Also drehten wir nach 200m um und schauten beim lokalen Camping, direkt vor den Toren Honfleur’s vorbei. Das Schild FULL strahlte uns schon von weitem entgegen, aber wir fragten trotzdem und bekamen problemlos einen sehr schönen Platz, für nur EUR 16.80 - ohne Toilettenpapier. Von da aus konnten wir nach einer kurzen Pause direkt zu Fuss nach Honfleur und nochmals durch das schöne Städtchen flanieren.




Deauville-Trouville


Trouville durchliefen wir ganz kurz, da es uns aber nicht gefiel fuhren wir über den Fluss nach Deauville. Unser Reiseführer versprach uns teure Läden und eine vornehme Strandpromenade in Deauville.


Ich musste dringend auf die Toilette, Reizblase sei dank, aber wir konnten nirgends parkieren, weil die Parkplätze auf 1.90 beschränkt waren. Also hielt Dany an der Strasse an wo wir am Strand Toiletten vermuteten. Ich lief los und fand tatsächlich Toiletten: Alle ausser Betrieb, die nächsten 300m weit weg. Ich lief in die Richtung des Pfeiles und fand tatsächlich Toiletten: 1 EUR. Das Geld war natürlich bei Dany im Auto. Also mit voller Blase den ganzen Weg zurück zu Dany, Geld holen, mit dem Auto einen Teil des Weges zurück, unter einer 2m Abschrankung hindurch auf den Parkplatz. Dafür hatten wir so, ohne danach zu suchen, die berühmten Hollywood-Beschriftungen und den bekannten Holzsteg mit Holz aus Madagaskar, das unverwitterbar sei, gefunden. Sie waren zur Meerseite ausgerichtet hinter der Toilette.



Gucci, Hermes & Co. schauten wir uns nur von der Strasse im Vorbeifahren an.

In Trouville versprach uns die Happy Cow App einen rein veganen Laden und mit Hilfe von googlemaps fanden wir ihn. Ein klitzekleines Geschäft einer jungen Frau in einer Ecke wo sonst nicht viel zu sehen ist. Als ich sie fragte, wie sie als Veganerin in dieser Gegend überhaupt überleben könne, da wir kaum etwas zum Einkaufen fanden ausser Pflanzenmilch und es in Restaurants bekannterweise auch nichts gibt, erklärte sie uns, dass sie alles online bestellen müsse. Die Normandie sei die Region der Milchindustrie, des Fleisches und vom Meer. Es sei sehr hart, aber trotzdem gebe es auch hier tolle vegan lebende Menschen, unter anderem eine Künstlerin. Sie zeigte uns T-Shirts und Einkaufstaschen mit Motiven dieser Künstlerin und dann verkündete sie ganz stolz, dass sie ein Produkt aus der Schweiz habe: New Roots. Die Besten. Wir hatten jedoch den Kühlschrank seit der Abreise voll von New Roots Creme Fraiche und Garlic Spread gerechnet für vier Wochen sowie drei Stück Camembert. Wir kauften daher ihre selbstgemachten Cookies und Chicken-Aufschnitt von Violife, den wir bei uns noch nie entdeckten und inzwischen innig lieben, und machten uns auf den Weg für den Abstecher in die Pays d’Auge.




Spiriterie Château du Breuil - Livarot


In unserem Navi gaben wir den Ort ein wo es angeblich eine bekannte Calvados Brennerei geben soll, folgten jedoch unterwegs einem verlockenden Schild mit der Aufschrift Spiriterie Château du Breuil. Zugegeben war es die Ästhetin in mir, die durchbrannte, weil es einfach schön beschildert war und Château klingt immer ansprechend, oder? Der Car auf dem Parkplatz verriet, dass wir an einem guten Ort angekommen waren.



Der Schlossgarten und das schöne Schloss sorgten für eine wunderschöne Atmosphäre, der moderne Verkaufsraum versprach Professionalität der Produkte. Dany verkostete drei Calvados, einen Whisky und einen Likör. Dann liessen wir uns noch auf die Verkostung zweier Rum ein, die in der Hauseigenen Destillerie veredelt werden. Mit einem 15-jährigen Calvados, einem Whiskey und drei kleinen Rumflaschen verliessen wir vergnügt die Spiriterie.



Im Navi strichen wir die Adresse der anderen Calvados Brennerei und gaben stattdessen den Ort eines besonderen Schlosses ein, das wir besichtigen wollten.

Heute leider geschlossen. Die alte Mauer gab keinen guten Blick auf das eindrückliche Schloss frei.



Ein neuer Plan musste her. Wir überlegten das Schloss auszulassen und weiter zu fahren in ‘das schönste Dorf der Normandie’ oder eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen um das Schloss am kommenden Tag nochmals anzufahren. Die Neugierde überwiegte und wir fuhren auf einen kleinen Stellplatz mitten im Nirgendwo.


Ganz wenige andere Camper fanden auch den Weg dahin, schlussendlich waren wir aber nur zu fünft. Als am Abend jemand im Bürohäuschen sass, wollten wir zahlen gehen weil extra noch stand, dass das campieren hier nicht gratis ist. Der Herr aber meinte es komme morgen jemand um 9 Uhr um einzukassieren. Nun, wir fuhren so oder so um 8.30 los um unsere Pläne für den Tag umzusetzen.




Schloss Saint Germain de Livet - Beuvron en Auge


Nachdem der gestrige Tag etwas holperig verlief, war im heutigen wirklich der Wurm drin. Wir gingen extra früh los um vor der Schlossbesichtigung einen Decathlon aufzusuchen für einen Regenschutz für unsere Velos. Jedoch hatte dieser Decathlon nur den Schutz für ein Velo vorrätig und nicht den von uns gewollten für zwei. In Caen habe es den zweier, teilte uns der freundliche Verkäufer mit (wahnsinn, die Franzosen sind alle so freundlich!). Wir konnten uns noch nicht dafür begeistern die 30min Umweg nach Caen zu machen und 30min zurück an die Küste, wo wir eigentlich in 20 Minuten auf direktem Weg sein konnten. Auch das noch geplante ‘schönste Dorf der Normandie’ lag dann nicht mehr am Weg. Zuerst ging es aber sowieso zum Schloss.


Wieder standen wir vor dem verschlossenen Tor. Mit 15 Minuten Verspätung, gemäss Öffnungszeiten, wurden wir hereingelassen mit der Bemerkung, dass das Schloss zurzeit nicht von innen besichtigt werden kann. Nun, wir genossen trotzdem die Besichtigung von aussen, weil es wirklich ein aussergewöhnliches Gebäude ist.


Angeblich ist das Besondere daran unter anderem, dass es viele Baustile der Pays d’Auge vereint: vom Fachwerkbau zum Bau aus Steinen und als Tüpfelchen auf dem i: mit einem echten Wassergraben.



Beuvron en Auge


Nachdem wir endlich ein Häkchen hinter das Schloss setzen konnten machten wir uns auf den Weg nach Beuvron en Auge und waren gespannt, wie so ein 'schönstes Dorf der Normandie' wohl aussehen wird. Es war ein tolles Fotomotiv, voller Fachwerkshäuser und einem schönen kleinen Stadtkern. Nebst Cafés und Hofläden hatte es auch ein paar 'Chrömli' Läden. In einem davon deckten wir uns mit handgemachten Seifen ein.



Bevor wir uns auf den weiteren Weg machten besprachen wir, ob wir nun nur wegen einem Velowetterschutz den Umweg antreten oder nicht. Bis wir fanden, dass wir in der Zeit, in der wir diskutieren, auch einfach schon hätten losfahren können. Nicht denken, machen. Also ab zum Decathlon in Caen, welcher an der schieren Grösse gemessen offensichtlich der Hauptsitz der Firma war, und juhu, wir hatten unseren gewünschten Regenschutz. Nun ging es ab an die Küste und eine recht weite Strecke ‘zurück’.


Die Strasse war mühsam (voller Geschwindigkeits-Reduktions-Massnahmen) und wir hatten heute noch nichts gegessen. Zusammen mit dem Wetter schlug unsere Stimmung um und wir mussten um 15 Uhr schliesslich einfach irgendwo anhalten um zu kochen. Etwas Schnelles musste her also gab es eine der zwei mitgebrachten Packungen Fertigrösti. Das verbesserte die Stimmung, aber wir waren beide des Autofahrens müde.


Dany wäre gerne in das Museum Le Grand Bunker und wir waren zwar in der Nähe, hatten aber keine Energie mehr für ein Museum. So entschieden wir uns Houlgate auszulassen und einen Camping zu suchen. Wir passierten einige Campings von denen wir keinen betreten wollten. Le Grand Bunker entfernte sich immer mehr und es wurde immer später. Wir waren schon über eine halbe Stunde vom Museum entfernt aber der angefahrene Camping war wieder eine Niete. Dann entschieden wir uns zurück zu fahren zu einem, den wir wegen 5* und Pool nicht anfahren wollten. Vor Ort teilte man uns mit, dass sie keinen Platz frei haben, sie hätten nur 10 Plätze und der Rest seien Bungalows. 17 Uhr und wir wurden immer planloser und müder.


Dann entdeckten wir noch einen Camping, den wir falsch eingeschätzt hatten, weil er ‘La Ferme’ heisst – oft sind das Campings direkt bei Milchbauern, was für uns absolut nicht in Frage kommt. Wer will schon traurige Kühe sehen, die ihre Kälber vermissen und Kälber hören, die nach ihren Müttern rufen. Mir jedenfalls bricht es das Herz. Schliesslich war es jedoch keine Ferme sondern ein wirklich toller, kleiner Camping mit einer ebenso herzlichen Frau wie in Le Bourg-Dun. Wir waren happy endlich angekommen zu sein um 18 Uhr. Und das in nur 3km Velodistanz zu Le Grand Bunker und für nur EUR 14.40 – mit! Toilettenpapier und sehr guter Sauberkeit. Wir beschlossen, dass ab Morgen wieder alles im Fluss ist.








Lion sur Mer – Le grand Bunker


Wir begannen den Morgen mit einer entschleunigenden Fahrradtour dem Meer entlang (so schön, nach einer Nacht Abstinenz ‘endlich’ wieder am Meer zu sein) zum Museum Le Grand Bunker.



Nach dessen Besichtigung ging es zurück auf den Camping zum Mittagessen und Dany erledigte unsere erste Wäscheladung. Wir befestigten alles so, dass unsere Unterhosen während unserer Abwesenheit nicht mit dem Wind bei den Nachbarn verteilt werden und machten uns dann mit den Velos auf den Weg ins nächstgelegene Dorf in die andere Richtung. Dort fanden wir einen tollen kleinen Shop mit Produkten von lokalen Handwerker*innen. Ich wurde fündig für eine wunderschöne grosse neue Teetasse mit dem Symbol des Grande Guerre Frankreichs: die Coquelicots, Mohnblumen. «Sie wurde zur Symbolblume der toten Soldaten, leuchtend rot wie das Blut, das hier geflossen ist. Nordfrankreich war in der WW1, Grande Guerre, eines der grössten Schlachtfelder gewesen.» Das an sich wäre ja kein schönes Symbol und ich dachte schon ‘meine Güte, woraus trinke ich jetzt da den Tee’. Aber: «Eine der ersten Blumen, die auf den völlig verwüsteten Schlachtfeldern blühte, war Klatschmohn. Überall bedeckte er entlang der ligne de front des blutigen Stellungskrieges entlang der Flüsse Somme, Orne und Marne das Land.» (Quelle: meinfrankreich.com)


Als wir zurück auf den Campingplatz kamen grollte wieder der Donner und wir machten alles Wetterfest. Wie froh wir um unseren neuen Veloschutz waren, denn es begann zu regnen, als ob jemand Schleusen geöffnet hätte und hörte genauso auf den Punkt wieder auf am späteren Abend.




Caen


Unsere Wäsche war natürlich mit dem Regenschauer nicht getrocknet und so stellten wir am Morgen früh den Wäscheständer in die ersten Sonnenstrahlen. Nach einer Stunde war alles soweit trocken, dass wir zusammenpacken und weiterfahren konnten.


Ursprünglich war Caen in unserer Reise eingeplant, unterwegs hatten wir den Gedanken daran verworfen und wollten lieber den kleinen Städtchen nach. Irgendetwas liess uns aber an diesem Morgen entscheiden, dass wir einen Tagesausflug nach Caen machen. Stark dazu beigetragen hat sicher auch unsere App, nach deren Angaben es ein rein veganes Restaurant hat.



Wir fuhren also mitten in die Stadt hinein, fanden problemlos einen Parkplatz und liefen über die alte Burg/ruine zur Abbaye aux Hommes (ohne zu wissen, was es für ein Gebäude ist, es war einfach schön) und dann mit dem Handy vor der Nase durch die Stadt um das vegane Restaurant zu finden. Finden ist das richtige Stichwort, denn die Gasse, in der es ist, ist so schmal, dass wir dachten das findet ja niemals irgendjemand, der nicht genau dahin möchte. Wir waren dann auch die einzigen Gäste als wir eintraten in eine bunte Welt aus Nippes. Wäre das Lokal nicht vegan gewesen, wir wären wohl rückwärts wieder raus, auch weil die sicher 20 Jahre jüngeren Menschen als ich auf den ersten Blick nicht so aussahen als ob sie kochen könnten – wer hat sie nicht jeweils kurz, diese Vorurteilsgedanken. Wir bestellten unser Essen und einen Tee während wir die Dekoration bestaunten. Das Essen war einfach aber mit Liebe gemacht, schmackhaft und sättigend. Die Dessertkarte lockte mit einer grossen Auswahl, insbesondere auch an glutenfreien Kuchen. Was für eine Seltenheit: glutenfrei und vegan, wie hätten wir nicht bestellen können. Wir staunten nicht schlecht, als uns die Kuchenstücke serviert wurden. So hübsch und dann auch noch so gut.


Nach diesem Abstecher verabschiedeten uns von Caen und fuhren zurück. Auf dem Hinweg hatten wir eine Tankstelle gesehen, die Diesel für EUR 1.64 verkaufte und wir wollten dort tanken gehen. Leider verpasste Dany den Abzweiger als wir nach dem Umdrehen via Kreisel wieder dort waren (keine Minute später) war die Tankstelle bereits abgesperrt. Ein Schild, das wir schon oft gesehen haben: Es gibt kein Benzin mehr, punkt. Da wir wirklich tanken sollten fand ich dank googlemaps eine Tankstelle der gleichen Kette in 300m Distanz, dort konnten wir problemlos und zum gleichen Spitzenpreis tanken.




Arromanches les Bains


Nun ging es wieder zurück ans Meer und wir fuhren über Arromanches les Bains. Dort gab es ebenfalls ein Museum, das Dany herausgesucht hatte. Ich wollte gerade noch sagen, dass ich nicht schonwieder eines haben muss, als Dany bereits zwei Eintritte bezahlt hatte. Wir gingen hinein und sahen nebst Uniformen in Vitrinen riesige Miniatur-Modelle des mobilen Hafens.


Kurz darauf gab es einen Aufruf, dass im Saal eins der Film über den Bau des Hafens beginne. Da wir dem Museum noch nicht viel abgewinnen konnten gingen wir dahin und waren beeindruckt. Wir hatten ja keine Ahnung. Und wie wir keine Ahnung hatten. Wie viele Menschen an dem Bau der Hafenstücke beteiligt waren, wie die Menschen damit etwas geschaffen haben, das es noch nie gegeben hatte. Das Risiko, das sie eingingen weil das Wetter nicht auf ihrer Seite war und sie bei Sturm in Seenot gerieten, trotzdem weiterbauten und es schafften. Dass dank dem mobilen Hafen die Versorgung der Soldaten sichergestellt werden konnte und dies zu einem grossen Teil zum erhofften Sieg führte. Wer die Häfen kontrolliert, kontrolliert Europa… Unfassbar, dass es damals schon Menschen gab, die filmten um dieses historische Ereignis für uns festzuhalten. Anschliessend sahen wir die Modelle im Museum mit anderen Augen, ebenso die Überreste draussen im Meer.



Eigentlich hätte es einen schönen Camping Municipal in Arromanches, leider waren aber alle Toiletten geschlossen. So machte der Platz für uns keinen Sinn und wir zogen weiter.

Wir fuhren einen Campingplatz an, den wir für den Besuch am Omaha Beach rausgesucht haben. Er war direkt ein Volltreffer für EUR 15.10, klein und natürlich, mit vielen Bäumen, ein paar Bungalows und saubere Sanitäranlagen allerdings ohne Toilettenpapier. Wir richteten uns ein und hatten kaum die Markise draussen als es schonwieder zu regnen begann.

Aber ohne Regen gäbe es keine Regenbogen.




Omaha Beach


Der Campingplatzwart meinte zu uns, dass wir einfach nur beim Hintertor des Campings raus können und dann direkt am Omaha Beach rauskommen. Wir liefen etwas euphorisch los als ich nach einer halben Stunde merkte, dass ich den Rückweg wohl nicht mehr so hinbekomme, wenn wir weiterlaufen. Also gingen wir zurück und fuhren mit den Velos los. Es war ein schöner kleiner Feldweg über den wir tatsächlich mitten im Geschehen des Omaha Beaches herauskamen. Wir fuhren zu den Denkmälern und dann an den Strand, am Strand entlang bis zum Haupt-Denkmal. Was für ein tolles Gefühl mit den Bikes diesen schönen Strand entlang zu fahren.



Der Hunger suchte uns heim und wir wollten eine kleine Portion Pommes essen um den gröbsten Hunger bis zur Rückkehr zu stillen. Wir landeten leider in einer Touristenabzocke und konnten nur Pommes als Beilagenteller bestellen – etwa 20 Stück Pommes für 5 Eur. Nun ja, es hat das getan, was es sollte, den gröbsten Hunger gestillt, so dass wir noch etwas weiter fahren konnten bis Vierville sur Mer. Von dort fuhren wir über die Hauptstrasse zurück zum Bulli. Sehr dunkle Gewitterwolken verfolgten uns und wir hatten bei jedem Dorf das Gefühl: das ist jetzt unseres, wir haben es vor dem Regen geschafft – aber leider weit gefehlt. Ein Dorf vor unserem öffnete der Himmel seine Schleusen und wir erreichten den Bulli pflotschnass.




Omaha Beach


Bevor wir weiterfuhren wollten wir noch den grossen Soldatenfriedhof und ein Museum besuchen. Weil es so nah war machten wir alles mit den Velos. Der Friedhof beeindruckte bereits mit seiner Einfahrt. Wir hatten das Gefühl in Amerika einzufahren. Die Strasse wurde plötzlich ganz breit und war gesäumt von hohen Bäumen, es gab einen separaten Fahrradweg der genau vorgab wo es entlang ging. Als wir um eine grosse Kurve bogen kamen wir auf einem riesigen Parkplatz an und folgten dem Veloweg bis zum Ende wo der Veloparkplatz war. Von da an ging es nur zu Fuss. Zwei Securitypersonen passierten uns und grüssten freundlich. Wir liefen in die offizielle Richtung und eine adrette, freundliche Dame in Uniform begrüsste uns um uns mitzuteilen, dass es aufgrund technischer Probleme gerade nicht möglich sei das Visitor Center zu besuchen, dass wir aber gerne das Gelände besichtigen können und sie sich sicher sei, dass es bei unserer Rückkehr inzwischen geöffnet sei. Uns war das nicht so wichtig, wir waren bereits in zwei Museen und wollten noch ein weiteres besuchen.


Die Umgebung um das Visitor Center fühlte sich wie ein 5* Hotel an. Das moderne Gebäude, ein riesiger Infinitypool – naja Brunnen würde ich es nicht mehr nennen. Wir liefen dem gepflegten Weg entlang der Küste, der umsäumt war von Bäumen, deren Stamm geometrisch genau rundherum gejätet war. Der Rasen war in 1cm Abstand strichgerade abgeschnitten zum Bordstein. Ein Schild mahnte zur Andacht und zum gebührenden Respekt gegenüber den vielen Toten. Zwei weitere Securitypersonen kreuzen uns und grüssen freundlich.


Wir liefen zum Hauptdenkmal und liessen unseren Blick über das riesige Gelände schweifen. Meisterhaft getrimmte Bäume und Büsche umgaben die perfekt gepflegten Wege. Wir bestaunten das schöne Denkmal an das frische Blumen abgelegt worden waren und auf dem das ganze Kriegsgeschehen mit allen Einheiten in Stein gemeisselt ist. Immer mehr begannen wir zu begreifen, was für einen Dienst die Amerikaner für uns geleistet haben.



Die vielen weissen Kreuze beeindrucken in ihrer Präsenz.

Auf der Rückseite lässt sich mal mehr, mal weniger eine Inschrift erkennen. Dany meinte, dass er mal in einer Reportage gesehen habe, dass die Angehörigen eine Hand voll Sand vom Omaha Beach mitbringen und ihn in die Inschrift reiben, so dass sie sichtbar wird. Auf dem Rückweg sahen wir ein Kreuz, bei dem die Inschrift voller Sand war – ein eindrücklicher Anblick, der durch Mark und Bein geht.





Overlord Museum Omaha Beach


Die Zeit reichte noch für den Besuch im Museum Overlord, das direkt vor dem Eingang zum Friedhofsbereich ist. Man könnte meinen, wir hätten langsam genug Museen gesehen, aber nachdem die ersten zwei so aufschlussreich waren dachten wir, dass wir wohl in jedem Museum noch etwas Neues dazu lernen.


Wow, was für ein Museum. Wenn mich jemand fragen würde, der nur in EIN Museum gehen möchte in der Normandie, dann wäre dieses meine Empfehlung. Es ist so lebendig gestaltet, so aufwendig nachgestellte Szenerien und mein persönliches Highlight am Ende: eine Bildergalerie von Kriegsveteranen als sie die Gegend im hohen Alter nochmals besuchten und ein Auszug ihrer persönlichen Geschichten dazu. Da Dany meist länger in Museen verweilt als ich, hatte ich viel Vorlaufzeit: Ich habe jede einzelne Geschichte gelesen.


Die meisten beschrieben ähnliches: wenn die Landeklappen der Boote sich öffneten blickten sie in Dantes Inferno, befanden sich mitten in der Hölle… einmal mehr spürte ich die Ehrfurcht davor, was diese Männer für die jüngeren Generationen auf sich genommen haben. Eine Geschichte war aber auch lustig. Ein Fallschirmjäger berichtete, dass er in einem Baum gelandet war und sich nicht schnell genug befreien konnte. Er hörte dann von einem Kollegen ihr Geheimgeräusch, ein Klicker, das es zu rückbestätigen gab um sich gegenseitig zu erkennen. Er konnte jedoch seinen Klicker nicht erreichen und bekam es mit der Angst zu tun, dass er gleich abgeschossen würde von seinen eigenen Männern. Also begann er Worte aus seiner Heimat wieder zu geben damit sein Gegenüber erkennt, dass sie dieselbe Herkunft hatten. Schliesslich rief der Kamerad seinen Namen und dass er aufhören soll diese Worte zu rufen weil sie sonst alle von den Deutschen entdeckt würden.


Ohne uns zu beeilen kamen wir gerade rechtzeitig zum Camping zurück um bis 12 Uhr draussen zu sein. In weniger als 20min war unser Bulli abfahrbereit: Fahrradträger auf die Anhängerkupplung, Räder drauf und alles abschliessen, Stühle und Tisch rein, Teppich ausklopfen und einpacken, Trittstufe ins Auto, Dach runter und los geht’s: zum Point du Hoc.


Den Point du Hoc haben wir wie hunderte andere Touristen besucht: Hinfahren, einmal durchlaufen, wieder gehen. Der Point du Hoc ist vor allem aus der Luft eindrücklich, weil man die vielen Einschlaglöcher sieht. Fotografisch war hier also nicht viel zu holen zu Fuss. Aber die Bunker zu sehen, den Stacheldraht... die Geschichte der Soldaten, die hier mit Seilen die Steile Küste hoch mussten während sie von oben bekämpft wurden... war genauso eindrücklich wie an den anderen Orten.



Unser anvisiertes Ziel war Barfleur, wir liessen uns aber wie immer etwas treiben… und endeten für einen Zwischenhalt am Utah Beach.



Utah Beach


Genau DAS Denkmal dort wollte ich fotografieren.


Ich hatte es im Reiseführer gesehen aber nicht geschaut wo es ist, wir Glückskekse fuhren also intuitiv dorthin wo es war.


Als Dany andeutete ins Museum zu wollen dachte ich ‘nein, bloss nicht schonwieder ein Museum, das waren genug Museen für ein paar Jahre’. Tja, meine natürliche Neugierde überwiegte und so fanden wir uns im dortigen Museum wieder. Es war nicht so eindrücklich wie die anderen drei aber auch von da nahmen wir ein paar persönliche Geschichten von Veteranen und Franzosen mit, wie sie diese Zeit erlebt hatten.


Da es inzwischen schon wieder 15 Uhr war machte ich mich auf die Suche nach einem Campingplatz in der Nähe von Barfleur. Auf dem Weg bog Dany jedoch an einer Ecke falsch ab ohne dass ich es bemerkte. Da es aber dort auch einen Camping gab, der ebenfalls direkt am Meer lag wie der andere, beschlossen wir ihn uns anzusehen. Wir buchten eine Nacht und waren angekommen an dem Ort, der uns schlussendlich am allerbesten gefiel in der Normandie: Saint Vaast la Hogue.




Saint Vaast La Hogue


Nach dem Einrichten des Bullis und einem Abendessen, zogen wir auf den Velos los für den Sonnenuntergang. Es gab eine Art Festung direkt in der Nähe und direkt am Meer. Es war leider schon zu, gab aber einen Spazierweg rundherum.


Ein ausdrückliches Kinderwagen- und Veloverbotsschild war angebracht. Der Weg sah aber prima aus, nur eine kurze steile Treppe war im Weg und wir dachten, dass das Verbot wohl angebracht sei damit Velofahrer die Spaziergänger am Tag nicht stören. Da sonst niemand unterwegs war nahmen wir den Weg. Was soll ich sagen… das Verbot hatte wirklich-wirklich seine Berechtigung. Der Weg war zu Beginn sehr schön zu fahren. Dann kam nochmals eine knifflige Stelle mit erneutem Verbot und mit Treppe, bei der ich Dany noch fragte, ob wir nicht doch wohl besser umkehren sollten.


Er verneinte und wir gingen weiter. Spätestens ab diesem Punkt hätte ich es ahnen sollen: Der Weg führte AUF die Festungsmauer, die nur 60cm breit war und links wie rechts je nach Stelle 3-4 Meter tief runter ging. Als Highlight dieser Tour mussten wir auch noch eine 90° Kante wenden – mit den 27kg schweren Velos. Ich war kurz davor in meiner Bewegung vor Angst einzufrieren, versuchte weiter zu atmen, keinen der – Endo sei dank häufigen – Schwindelanfälle zu bekommen, die mich aus dem Gleichgewicht bringen und überhaupt einfach keinen Stolperer hinzulegen. Noch wenige Meter und wir hatten es geschafft. Ich meinerseits ziemlich fix und foxi.

Da war der Weg noch dreimal so breit:



Wir gingen noch etwas an den Strand, ich suchte Muscheln (meditativ und erdend...) und fuhren schliesslich mit einem kleinen Umweg durchs Dorf zurück zum Camping.


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