Normandie (3) Saint Vaast La Hogue - Barfleur - Mont Saint Michel - Dinan




Saint Vaast la Hogue


Offenbar hatten wir Schlaf nötig, denn wir wachten erst um 9 Uhr auf. Mit den Velos machten wir uns auf zu einem Stadtbummel und die Sonntagsstimmung lockte uns direkt in die Boulangerie im Dorf. Dany kaufte sich ein Riesenbrioche. Anstatt ins Insel Tatihou Center zu gehen um unseren Inselbesuch zu planen gingen wir zurück zum Campingplatz und brunchten ausgiebig mit frischem Baguette, Riesenbrioche, New Roots Käse, homemade Konfi etc.



Anschliessend nahmen wir einen zweiten Anlauf und buchten in besagtem Center die Schifffahrt für 15 Uhr.



Um sicher zu sein wo wir hin müssen fuhren wir schon einmal mit dem Velo zum Hafen. Als wir dort ankamen, kam das Boot gerade an Land und der Anblick haute uns aus den Socken. Spätestens als das Fahrgestell auf Rädern sich absenkte prusteten wir los und lachten herzlich. Was für ein niedlicher Anblick dieses Froschbootes. Die Vorfreude auf die Fahrt war gross.



Auf dem Rückweg zum Camping hielten wir noch bei einem lokalen Künstler, dessen Bild mich total ansprach. Voller Leidenschaft und mit leuchtenden Augen erzählte er über seine Inspirationsquellen. Fast eine Stunde verbrachten wir bei ihm. Zurück auf dem Campingplatz wagte ich mich euphorisch in meinen Bikini – immerhin versprach der Pool gemäss Infotafel 26-29 Grad. So weit wie diese Angaben auseinanderliegen, so weit auseinander liegt wohl noch der Toleranzbereich nach unten. Nachdem ich den Fuss ins Wasser gesetzt hatte zog ich das trockene Sonnenbaden dem Pool vor. Dany wagte sich hinein. Nach einer Stunde war es bereits Zeit zum Hafen zu fahren.




Insel Tatihou


Wir bestiegen das Amphibienboot und das Gefühl, als es zügig(!) Rückwärts fuhr und wasserte, war wirklich speziell. Er wendete das Boot so im Schuss, dass es sich zur Seite neigte. Nach nur fünf Minuten waren wir auf Tatihou.


Die kleine Insel beherbergt ein Fort und einen botanischen Garten mit kleinem Hotel und Restaurant. Wir schlenderten durch den Garten und besuchten das Fort.



Auf dem Rückweg tranken wir eine Tasse Tee im Restaurant und gingen nach 2 Stunden Besuch zurück zum Hafen für die Rückfahrt. Das Wasser war weg und hatte eine ganze Strasse zum Erscheinen gebracht, auf der Menschen zu Fuss zur Insel laufen. Ich muss zugeben: Vor lauter Faszination vergass ich diesen Anblick gänzlich zu fotografieren. Wir fuhren also mit dem Boot auf dieser Strasse an eine ganz andere Stelle im Hafen und mussten dann noch ein gutes Stück zu unseren Velos laufen.

Barfleur


Da ein Wetterumschwung vorhergesagt war blieben wir auf dem Camping St Vaast und machten einen Tagesausflug nach Barfleur anstatt uns dort neu einzurichten. Es war eine kurze, zwanzigminütige Fahrt zur Hafenstadt. Als wir ankamen war sie noch sehr verschlafen, zwei Personen schauten uns aus dem Cafe beim Parkieren zu.


Wir liefen den ganzen Hafen bis zur anderen Seite ab damit ich meine Wunschfotos machen konnte. Die Flut setzte ein und bis wir zurück zum Auto kamen (insgesamt vielleicht 45-60 Minuten), war bereits der ganze Hafen voll Wasser.



Wieder zog es uns in eine Bäckerei. Man muss dazu aber auch sagen… wir waren bisher vielleicht zehn Mal in einer unterschiedlichen Bäckerei. Und JEDE einzelne hatte frisches, selbstgemachtes Brot. Das alleine macht schon recht süchtig, denn wir sind das einfach nicht mehr gewohnt. Bei uns muss man einen Beck suchen gehen, der tatsächlich noch richtige Handarbeit betreibt und nicht einen Grossteil seines Sortiments bei Pistor bezieht. Jedenfalls gingen wir auch in Barfleur in die Bäckerei und kamen mit einem frischen Baguette und zwei Apfeltaschen wieder raus. Es muss am Land des Baguettes und Camemberts liegen, dass ich so oft Lust auf Camembert habe (den aus Kuhmilch mochte ich übrigens nie, wirklich nur den Newroots)… zum Glück hatten wir noch einen New Roots im Kühlschrank und das Auto dabei, so dass ich ihn holen konnte und wir genossen unser Frühstück auf einer Bank direkt am Hafen mit Sonnenschein und bester Aussicht.



Anschliessend schlenderten wir noch durch den anderen Teil von Barfleur, entdeckten die Seerettung mit einer kleinen Ausstellung zu ihrer eindrücklichen Arbeit. Alleine die Vorstellung dann in See zu stechen, wenn sie so rau ist, dass andere schon in Seenot sind, lässt einen ehrfürchtig dastehen.


In der schmucken kleinen Altstadt war jedes Haus mit einer Keramiktafel geschmückt, wirklich faszinierend.


Da wir bereits so weit oben waren wäre es eine Schande nicht auch noch das Kap Barfleur zu besuchen, das diesseitige Ende der Halbinsel Cotentin. Der grösste Leuchtturm Frankreichs stehe dort – wie wir später von einem Englischen Paar beim abendlichen Plaudern auf dem Camping erfuhren. Er sei 356 Stufen hoch und habe 52 Fenster. Wir begnügten uns so oder so mit dem äusseren Anblick und setzten uns für eine Weile ans Meer.



Das Entdecken von Neuem war so verlockend, dass wir statt zurück noch etwas weiter der Küste entlangfuhren. Da ich das Auto geholt hatte blieb ich auch gerade am Steuer (zum ersten mal seit 2 Wochen) und Dany navigierte. Man muss dazu sagen, dass unsere Aufteilung ja seine Berechtigung hat. Er fährt lieber Auto als ich und ich navigiere besser als er. Er lotste mich also zuerst in eine Sackgasse und dann in eine unsägliche Strasse, die so aussah als würde sie auf einer Kuhweide enden. Mit zunehmend mühsamerer Strasse ging mein anfängliches Zeukeln langsam in ein Murren über. Dann wurde die Strasse jedoch wieder besser und es gab eine Abzweigung auf einen Parkplatz – da wir von weitem Bunker sahen bogen wir ein und parkierten den Bulli. Wir waren an einem Strand gelandet an dem es mehrere völlig zerstörte Bunker hatte. Wie Dany später nachlas waren sie explodiert, weil die Munition in ihnen in die Luft gegangen war. Als Graffiti Liebhaberin waren sie für mich tolle Fotoobjekte und Dany erkundete jeden Bunker genau.



Schliesslich machten wir uns doch noch auf den Rückweg zum Camping und genossen eines unserer Lieblingsessen: Laxpasta. Spaghetti kochen, New Roots Creme Fraiche in eine Pfanne, beliebig viel Spaghettiwasser dazu bis man die gewünschte Konsistenz hat. Dann die Sauce aufwärmen, würzen und den Rüeblilachs von Wildfoods (der Beste, erhältlich im Coop oder in Bioläden) zugeben. Alles anrichten und fertig ist ein wundervolles Essen.




Saint Vaast La Hogue - Mont Saint Michel


Weil wir zügig voran kommen wollten stellten wir den Wecker da wir die letzten Tage ungewöhnlich lange geschlafen haben und immer erst um 9 Uhr wach wurden.

Ein Grosseinkauf stand an, denn St Vaast la Hogue besitzt DEN genialsten Epicerie-ich-habe-alles-Laden, den wir je gesehen haben. Kennst du die Szene aus Harry Potter, wo sie in ein klitzekleines Zelt gehen und innen dann ein halber Palast ist? So ist diese Epicerie. Bei Monsieur Gosselin findet man alles, wirklich alles, was man braucht. Und nicht Ramschware sondern hochwertige Produkte. Es hat so viel, dass wir mit drei Besuchen wohl immer noch nicht alles erfasst haben: Schöne Blechdosen, handbemaltes Geschirr aus Frankreich, Backformen, Tischtücher, Vorhänge. Handgemachte Shampoobars, Rasierzubehör, Körperpflegeprodukte. Weiter Dosen mit Nähkit, Velokit, Kochartikel wie Schwingbesen, Gummischaber und weiter eine Frischtheke mit Früchten und Nüssen. Gegenüber davon ein riesiges Regal mit Peugeot Pfeffermühlen. Glutenfreie und glutenhaltige Produkte wie Knäckebrot, Müesli, Mehl, Pasta, Thai Nudeln, Ramen Nudeln… Essen in Gläsern (Gemüse aber auch französische Klassiker), Pestos und Confits, eine Wand voller Tee’s (Beutel und offen), Kaffee (auch frisch gemahlen), drei Wände voll Getränke wie Fruchtsäfte, Softdrinks etc. und: einen ganzen, riesigen (!) Weinkeller mit Whiskey, Rum, Calvados & Co. Ebenso hat es Chips, Oliven, Weidenkörbe, Konfitüren und Honig, Gewürze und Gewürzmischungen (unzählige!), Schokolade, Souvenirs, Backwaren.



Wir besuchten ein letztes Mal die Wunderbäckerei vor Ort und fuhren um 9 Uhr in Richtung Mont Saint Michel los. Unterwegs suchten wir uns einen schönen Platz am Meer für unseren Brunch und wurden an einer schönen Baie fündig. Wir packten unseren Tisch und die Stühle aus und genossen das feine frische Brot bei einer Stille, wie man sie bei uns in der Schweiz kaum mehr findet, direkt am Meer. Für die Weiterfahrt nahmen wir die Küstenstrasse Route de la Baie, die anfänglich an 1, 2 schönen Dörfern vorbei führte.




Um 15 Uhr fuhren wir beim Camping Mont Saint Michel ein. Die Einfahrt war etwas komplizierter, was aber bei 25'000 Besuchern pro Tag auch nicht verwundert. Wir hätten per Email reservieren müssen um einen Eintrittscode zu erhalten, aber es klappte schliesslich auch spontan per Telefon. Die vier vor uns kamen jedenfalls gar nicht durch die Schranke und setzten alle wieder zurück, so dass wir schon etwas verunsichert waren, ob wir es schaffen werden. Es klappte problemlos und wir bezogen unseren Platz.


Wir durften den uns zugewiesenen Latrinenplatz leider nicht wechseln also nahmen wir ihn für eine Nacht hin. Immerhin hatten wir sehr freundliche Nachbarn, u.a. mit einem wunderschönen Mali. Nach dem Einrichten, Ausruhen und späterem Essen, machten wir uns mit den Velos auf den Weg um zu schauen wo ein guter Fotospot wäre. Auf googlemaps habe ich einen gesehen, wir mussten dafür jedoch über eine Schafweide. Der Spot war ok aber auch nicht so bombig, so fuhren wir noch direkt zu Mont Saint Michel.


Es begann zu nieseln aber immerhin waren um 19 Uhr nicht mehr so viele Menschen unterwegs wie tagsüber. Wir liefen die Altstadt ab damit wir am nächsten Tag direkt wussten, wo wir hin gehen und gingen dann zurück zum Camping.




Mont Saint Michel – Dinan


Unsere App liess verlauten, dass der Sonnenaufgang um 7.22 Uhr stattfinden würde. Wir stellten also unseren Wecker auf 6.30 Uhr und waren um 7 Uhr auf dem Velo um an denselben Platz vom Vorabend zu fahren. Am Punkt angekommen meldete unsere App dann Sonnenaufgang 7.42 Uhr.


Es wurden jedoch immer mehr Wolken, so dass ich ein paar Bilder in der blauen Stunde machte und wir dann zurück auf die Strasse zum Mont Saint Michel fuhren um weitere Bilder zu machen. Fast eine Stunde später kam dann endlich die Sonne und beleuchtete die Kulisse.



Wir liefen das Dorf wie am Vorabend nochmals ab, ich wurde jedoch leider fototechnisch stark enttäuscht: Überall standen Wäscheständer, Abfallsäcke, Dreck am Boden, Paletten, Gabelstapler… ein darum-herum fotografieren war fast nicht möglich. Weiter warten bis es aufgeräumt wäre machte auch keinen Sinn, weil die Touristen ab 9.30 Uhr in Horden ankamen. Waren die Shuttlebusse 7.30-8 Uhr noch leer und von 8-9 Uhr mit 10-15 Touristen voll, platzte der Shuttle ab 9.30 Uhr schon aus allen Nähten.



Wir verliessen also Mont Saint Michel um 9.10 Uhr wieder und gingen zurück zu unserem Platz um unsere sieben Sachen zu packen.




Dinan (Bretagne)


Nach einer kurzen Fahrt kamen wir in Dinon an und entschieden uns für den Camping Municipal. Das war wiedermal eine Glücksentscheidung, weil der Campingwart nicht nur freundlich, sondern auch zu Spässen aufgelegt war und uns direkt mit allen Tipps und einer Karte rund um die Altstadt eindeckte. Für 12.40 Euro können wir hier eine Nacht bleiben – für diesen Preis gibt’s natürlich wieder kein Toilettenpapier, dafür sind die Sanitäranlagen vorbildlich sauber.


Nach einem Steinpilzrisotto mit ErbsliRüebli geht es gestärkt auf die Altstadttour. Vom Camping führt ein wunderschöner Weg durch den riesigen Stadtpark in nur 10min zu Fuss direkt zur Altstadt. Dinan gilt als schönste Stadt der Bretagne. Sie ist wirklich speziell, hat viele schöne Ecken und ist merklich anders als die Städte in der Normandie. Es hat viel mehr kleine Details, Schilder mit Sprüchen.



…und wir haben das Gefühl in einem Harry Potter Dorf gelandet zu sein. Es hat mehrere Läden mit Produkten und einen richtigen Harry Potter Laden mit den Schokoladefröschen, Bertie Botts Beans in all Flavours, Zauberstäben und sogar der Nimbus 2000 hing an der Decke. Das Städtchen hat wirklich so ein starkes Harry Potter Flair, dass man sich nicht wundern würde, wenn plötzlich Eulen herumfliegen würden.



Am Abend machen wir uns an die Planung, respektive Entscheidung, wo wir als nächstes hingehen. Angeplant hatten wir vor ein paar Tagen, dass wir weiter in den Süden gehen, weil es sich aufgrund der wärmeren Temperaturen anbietet. Wir wurden durch andere Camper etwas verunsichert, die vom Norden schwärmen und so wägten wir nochmals ab.




Rochefort en Terre – Quiberon


Wir blieben bei unserer ursprünglichen Entscheidung und fuhren Richtung Süden. Auch die Wetterapp bestätigte uns nochmals darin, 15-17 Grad im oberen Bereich und 19-21 an unserem Ziel.


Da das ‘schönste Dorf der Bretagne’ auf unserem Weg lag fuhren wir mit einem kurzen Tank-Zwischenstopp (EUR 1.57/Liter – in der Schweiz CHF 2.32 !!) nach Rochefort en Terre.



Das kleine Dorf liegt auf einer Anhöhe und verfügt vor dem Ortseingang über riesige Parkplätze, die einen erahnen lassen welche Besucherflut dieses kleine Dorf jeweils erwartet. Von 12-19 Uhr ist es autofrei zu besichtigen. Auf Pflastersteinboden schlendern wir durch das hübsche Ort, das überall umsäumt ist von Blumen. Viele Boutiquen mit Keramik, Zero Waste, Gebrannte Mandeln, Schmuck und natürlich Bäckereien mit Kouign Amann* locken uns immer wieder ins innere der alten Gebäude. *das traditionelle Gebäck der Bretagne bestehend aus Teig von Mehl, Zucker, Butter und mehrmals zusammengefaltet sowie mit Zucker und Butter bestrichen

Nach einer Stunde haben wir alles besichtigt, viele Fotos gemacht und begeben uns auf die Weiterreise.



Ein weiterer Stopp war nicht geplant bis Dany fragte: fahren wir nicht direkt an dem veganen Restaurant in Auray vorbei? Tja. Es gibt zwei rein vegane Essensmöglichkeiten hier in der Region und wir umfuhren wirklich direkt Auray bei unserer Fahrt. Da gerade Mittagszeit war (13 Uhr) machten wir den Abstecher. Eine junge Gourmetkennerin empfing uns an der Theke und wärmte uns ihre selbstgemachten Burger (alles daran selbstgemacht), eine Portion Ofenkartoffeln und packte uns zwei Himbeerschnitten sowie zwei französische Weichkäse ein.



Auray


Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es ‘nur’ ein Takeaway Angebot gibt, wurden aber direkt am berühmten Hafen von Saint Goustan fündig für einen Picknickplatz mit Aussicht. Eigentlich waren wir müde vom Fahren und wollten gerne Ankommen… aber nochmals nach Auray zu fahren um es zu besichtigen, während wir gerade schon da wären, kam uns albern vor. Also parkierten wir den Bulli und machten eine Runde durch die Altstadt. Alles erschien uns weniger herzlich als in der Normandie… Plastikstühle auf Restaurantterrassen, viele geschlossene Fensterläden. Weniger Herz und weniger Leben. Wir waren froh hatten wir diese Besichtigung direkt mit dem Essensstopp verbunden und können die Stadt damit abhaken.



Wir fuhren die kurze Strecke weiter nach Quiberon, einer Halbinsel auf der wir etwas Inselfeeling erhofften. Eine gerade Hauptstrasse führt direkt darauf und wir fuhren praktisch im Konvoi während uns ein ebensolcher auch entgegenkam. Uns schwante böses ab diesen Massen an Autos. Wir fuhren zu dem ausgesuchten Campingplatz und besichtigten ihn zuerst zu Fuss. Er ist toll. Wir fanden einen Platz direkt an vorderster Front mit Meerblick und Wellenrauschen, trotzdem geschützt von einer kleinen Hecke vor dem Wind und Spaziergängern. Unsere freundlichen und gesprächigen ü80 Nachbarn teilten uns eifrig mit, dass der Platz erst gerade vor einer Stunde frei wurde. Wir waren angekommen.


Da wir uns den Sonnenuntergang nicht entgehen lassen wollten fuhren wir mit den Bikes auf die andere Seite der Halbinsel und wurden mit einem prächtigen Sonnenuntergang an atemberaubender Kulisse belohnt.




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