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3 Monate USA-Reise - Von Weltwundern und unfassbar lieben Menschen zum Albtraum Wohnmobil und zur Ignoranz unseres Reisebüros

  • Autorenbild: Brigitte
    Brigitte
  • 8. Dez. 2025
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Jan.

Ihr ahnt, wir haben das höchste Hoch und tiefste Tief erlebt in dieser Zeit.


Seit mein Mann und ich uns vor 11 Jahren kennen gelernt haben, hatten wir den gemeinsamen Traum einer USA Reise. Wie ihr mitbekommen habt, ging es mir in den letzten Jahren gesundheitlich immer schlechter und ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich mich gefragt habe "werde ich je wieder Wandern können? werde ich je wieder länger als 1 Stunde Spazieren können? werde ich je wieder Reisen können?" Als also immerhin klar war, dass ich für den Moment wieder reisen kann, sagte ich zu Dany: "Wenn nicht jetzt, wann dann."


Und so begannen wir ein Jahr vorher 3 Monate Auszeit zu planen. Wir haben so oft Sätze gehört wie: 'Wie könnt ihr jetzt nur in die USA reisen?', darum der kurze Blick hinter die Kulissen. Das war nicht eine spontane Idee sondern ein grosser Lebenstraum von uns und... wir haben vor den Wahlen die Reise gebucht.


Nun ging es jedenfalls los, am 30. August flogen wir nach Seattle.

Wir hatten einen Camper gemietet für 9 Wochen.



Schweizerisch wie wir sind, buchten wir das Angebot lokal und natürlich auch in der Hoffnung, dass wir Unterstützung haben, wenn etwas sein sollte. Wie sehr wir uns dabei täuschen sollten.



Wir hatten ein tolles Hotel in Seattle mitten Downtown und konnten zu Fuss die Stadt erkunden.




Ein Wohnmobil darf man nie am selben Tag abholen und weil tags darauf Sonntag und dann ein Feiertag war, verbrachten wir 3 Nächte in der Stadt. Dann war es soweit und wir fuhren mit dem Taxi zur Camper-Abholstelle von El Monte / Roadbear.


Wir haben so viel erlebt, dass ich die Erzählungen am besten aufteilen muss in die Geschichte mit dem Camper als absolute Kurzfassung - sonst nimmt es kein Ende.


Und dann die schönen Bilder.


Die Erlebnisse könnten unterschiedlicher nicht sein und wie ich es bei 'gute und schlechte Nachrichten' immer mache, lieber zuerst die schlechte, dann die gute:



Unser grosser Traum von den Camperferien endete in einem Albtraum. Nach 5 Wochen wären wir lieber zurück nach Hause gegangen als weiter zu reisen.



Ich versuche mich so kurz wie möglich zu fassen, weil der ganze 'Fall' ein Buch füllen würde unsere Reklamations-Dokumentation umfasst 3-4 A4 Seiten Text und rund 40 Bilder. Es gibt also noch so viel mehr dazwischen, aber ich versuche die wichtigsten Eckpunkte zu erwähnen.


Bereits die Camper-Abholstelle war dreckig und ungepflegt. Bei der Abholung war nichts bereit für das wir extra bezahlt hatten (Bettwäsche, Campingstühle).


Der Camper war nicht gereinigt und das Bett war schwarz vor Dreck, genauso wie der Matratzenschoner, der auch noch voller 3 unterschiedliche fremde Haare war. Als ich fragte, ob wir einen sauberen bekommen könnten, war die Antwort ein Lachen und die Aussage "der ist ja weiss, jedenfalls weisser als du".


Das war Camper 1, den wir direkt am 2. Tag wieder zurückbrachten, weil er viel zu stark auf eine Seite zog, so dass er nur mit Kraft gerade zu fahren war auf der Autobahn (bei 9 Wochen reisen und CHF 10'000 Mietpreis für den Camper) und so stark vibrierte, dass unsere Haut zu jucken begann.


Wir kämpften an unserem ersten Ferientag also bereits 2 Stunden am Telefon für einen Campertausch und nahmen 7 Stunden Fahrt in Kauf (plus Benzin...).


Vor Ort mussten wir 2 Stunden warten, weil sie nicht bereit waren und abends um 17.30 Uhr, als wir direkt sahen, dass Camper 2 wieder nicht gereinigt ist, hiess es dann: "Das ist der einzige Camper, den wir haben." Während wir neben mehr als 15 Campern der gleichen Grösse auf dem Platz standen. Auf den Hinweis bezüglich der fehlenden Reinigung erhielten wir die Antwort: "Wir haben hier keine Ausrüstung um die Innenausstattung instand zu halten und richtig zu reinigen."


Wir sahen keine andere Wahl als ihn zu nehmen.



Camper 2 war wie Camper 1 überhaupt nicht gereinigt. Alles war dreckig, das Lavabo war zerbrochen, die Küche dreckig, bei jedem Schrank blätterte der Plastik ab.



Der Bodenlumpen war brandschwarz, nachdem wir 2 Stunden lang den Camper selbst gereinigt haben.


Er war viel lauter zu fahren aber vorerst besser als Camper 1.


Nach zwei Wochen blieben wir dann das erste Mal mit ihm liegen. Nach nur 1 Nacht freistehen, trotz viel fahren und Solar auf dem Dach, sprang der Motor nicht mehr an. Dank Nachbarschaftshilfe konnten wir den Motor starten und es folgte im nächsten Ort ein Check der Batterien.


Der Fehler wurde vermutet, konnte aber nicht eindeutig nachvollzogen werden (2 Batterien für den Wohnraum, 1 für den Motor und der Unterbrecher, der verhindern sollte, dass der Kühlschrank von der Motorbatterie zieht, war schlussendlich defekt) weshalb wir so weiterfuhren.


Für ein paar Tage ging es gut bis.... es anfing zu regnen und der Albtraum ging weiter: wir hatten einen kleinen Fluss im Camper. Wir verbrachten also statt einen gemütlichen Spieleabend die Zeit damit, das Wasser in die Dusche abzuleiten und Kochtöpfe aufzustellen um das Wasser aufzufangen und eine Garage zu suchen für den nächsten Morgen.





Liebe Menschen liessen ihre Arbeit liegen und reparierten das Dach - das gemäss ihrer Aussage noch nie gewartet wurde, die Risse waren schon alt und wurden ignoriert.



Jede Reparatur bedeutete immer 1-2 Stunden telefonieren und 3-4 Stunden Emailen mit der unnützen Helpline von El Monte / Roadbear



Weil jeder Zwischenfall/Reparatur muss dort gemeldet werden, sonst werden die Kosten, die man selbst vorschiessen muss, nicht rückerstattet.


So kam es, dass wir über 120 Emails allein innert 2 Wochen schrieben. Wir verbrachten u.a. 4 Stunden in einem Starbucks, wo wir WLAN hatten, damit mit der Helpline zu kommunizieren. Nach 4 Stunden hatten wir die 5. unterschiedliche Person dran und nachdem wir vier Stunden lang um Hilfe 'geschrien' hatten und alles mehrfach beschrieben, sagte sie "hey, erklär mir doch dein Problem damit ich dir helfen kann".


Und das war nur ein Tag von vielen, der so verlaufen war. Der riesige Stress, der mit all dem verbunden war, hat bei mir zwei schwere Krankheitsschübe mit bleibenden Schäden ausgelöst.


Wir versuchten mit dem geflickten Dach neuen Mut zu fassen, aber kaum war das Dach dicht, war die Batterie endgültig defekt. Das defekte Zwischenstück war nicht verfügbar, also mussten wir wieder zurück nach Seattle. Wieder verloren wir zwei Tage mit 12 Stunden Autofahrt und eine Nacht unserer Ferien, wieder viel Benzingeld, wieder zurück an den Ort, der an Inkompetenz und Ignoranz nicht zu übertreffen war.


Während dieser ganzen Zeit waren wir übrigens auch mit unserem Reisebüro von Tui in Kontakt. Die Filialleiterin des Reisebüros hat nicht auf eine einzige Email reagiert. Nie.



Der Kundenservice von Tui meinte, dass sie nichts machen können, solange die Ferien nicht vorbei sind - was bringt das Kunden, die in der 4. von total 9 Wochen Ferien gerade verzweifelt um Hilfe rufen?



Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 9 volle Ferientage verloren.


Durch die leidige Kommunikation mit der Helpline, Emails, Reparaturwerkstattbesuche, mehrere Roamingpakete für unser Handy gekauft usw.


Weiter ging es mit Camper 3, der nun immerhin im Voraus gereinigt worden war. Wir hatten vor Ort ein Gespräch mit dem Manager der Filiale, der sich immerhin entschuldigte und Besserung gelobte und auch versprach, dass wir bei Abgabe des Campers am Schluss all die Reparaturkosten, die wir für sie bezahlen mussten, zurückerhalten werden und über eine Entschädigung diskutiert werden würde.


Sehr erschöpft machten wir uns mit Camper 3 auf den Weg. Einen Tag später, es war Dany's Geburtstag, piepste der Kühlschrank, weil er zu wenig Energie hatte, sprich: Batterieproblem. Wir überbrückten indem wir auf einen Camping mit Elektroanschluss gingen und 100 Dollar statt 20 kostete, nur um eine ruhige Nacht zu haben.


Wir waren so fix und fertig, dass wir schliesslich ein Airbnb buchten und den Camper 4 Nächte nicht anfassten.


Dann nahmen wir einen letzten Anlauf mit einer Nacht auf einem Camping, aber wir fanden keinen Schlaf mit dem Alarmgepiepse. Der Kühlschrank stieg schlussendlich ganz aus.


Wieder folgte der stundenlange Kampf mit der Hotline, bis wir endlich die mündliche Zusage erhielten, den Camper zurückgeben zu können und das Geld für die restlichen drei Wochen zurückerhalten. Wir fragten, ob ein Manager vor Ort ist um die Entschädigung zu besprechen, was bestätigt wurde. Wir fragten nach der schriftlichen Bestätigung für die Rückzahlung der nicht benutzten drei Wochen und fuhren los, weil es schon spät war.


Während der Fahrt buchte ich ein Mietauto für die Weiterreise und ein Airbnb für die erste Nacht - auf gut Glück einfach in irgend einem Ort. Wir erhielten die schriftliche Bestätigung für die Rückzahlung nie.


Abermals mussten wir unsere Reisewünsche über den Haufen werfen, denn wir waren mitten in Oregon und fuhren 10 Stunden durch bis zur Übergabe in San Francisco.



Wieder waren wir von der Firma angelogen worden. Denn es hiess von der Angestellten direkt "Ich nehme nur den Camper zurück, ich diskutiere nichts mit euch und der Manager ist nicht da, er wird euch am Montag anrufen".


Wir waren einmal mehr fassungslos und ohnmächtig. Anschliessend fuhren wir mit dem Taxi zur Mietwagenstation. Mit Pfanne, Brennholz und Bettdecken sowie einer neu gekauften Kühltruhe weil wir noch Essen für 3 Wochen hatten, platzte das Taxi aus allen Nähten.




So standen wir am Flughafen für die Abholung des Mietwagens und wussten nicht, ob wir unser Geld jemals wiedersehen werden, geschweige denn eine Entschädigung erhalten für 2 verlorene Wochen Ferien plus 3 Wochen verfrühter Abbruch.



Wir waren so erleichtert endlich ohne den Camperärger weiterfahren zu können, gleichzeitig belastete uns aber die Unsicherheit, ob wir das Geld tatsächlich zurückerstattet bekommen, denn immerhin ging es um rund 3'700 Franken, die uns zustanden (1'400 Franken, die wir für Reparaturen bezahlt haben und 2'300 für die ungenutzten Tage).


Währenddessen mussten wir bereits die neuen Unterkünfte bezahlen. Inzwischen ist sicher allen Lesern klar, dass uns niemand angerufen hat nach der Abgabe. Wir haben in den kommenden 6 Wochen, bis wir wieder zuhause waren, erneut unzählige Emails an alle Stellen verschickt.


Ich kürze an dieser Stelle ab und kann euch berichten: Wir hatten 9 Wochen Camperferien gebucht. Wir haben weit über 150 Emails geschrieben. 2 volle Wochen Ferien verloren und dadurch auch einige Orte nicht sehen können, die auf unserer Wunschliste waren. Drei Wochen früher mussten wir die Camperreise abbrechen und unseren Traum begraben.


Wir waren 8 Wochen der Unsicherheit ausgeliefert, ob wir überhaupt unser Geld für die nicht genutzten Tage zurückerhalten werden. Dann erfuhren wir, dass wir das Geld, das wir über zwei Monate vorausbezahlt haben für Reparaturen, zurückerhalten. Ebenso die unbenutzten Tage.



Zu einer Entschädigung für all den Ärger und verlorenen Tage seien sie nicht verpflichtet, sagte Tui.


Sie boten uns knapp 760 Franken dafür an. Von der Filialleiterin der Tui Filiale haben wir bis heute nicht eine einzige Reaktion erhalten. Unsere Reiseschutzversicherung wie auch der Reiseombudsmann Schweiz haben uns empfohlen die "Entschädigung" so anzunehmen.




Die Camperzeit war ein Albtraum, in dem wir gefangen waren.


Wir sind nach wie vor sprachlos ab den Geschehnissen und dem Verhalten von El Monte / Roadbear, Tui und dem Reisebüro Tui Thun.


Uns ist es wichtig, unsere Geschichte zu erzählen, damit jede/r sich selbst Gedanken dazu machen kann, ob die eigenen Ferien, wertvolle Zeit, die Gesundheit und viel Geld dieses Risiko wert sind. Denn wenn etwas ist, ist keine Hilfe da und das sollte man sich im Voraus bewusst sein, insbesondere auf längeren Reisen.


Wir hätten in mehreren Momenten die Ferien lieber abgebrochen und wären nach Hause geflogen. Nach der Abgabe des Campers fühlten wir uns erleichtert. Geblieben ist die Erschöpfung, die uns bis zum Ende der Reise begleitet hat. Zwei Wochen in unserem Herzenszuhause Hawaii konnten wir wieder Kraft tanken.




Ebenso geblieben sind aber auch unzählige gute Erinnerungen an Menschen und Orte und Fotografien, die uns an die schönen Orte erinnern.



Menschen, die uns spontan geholfen haben.


Schöne Stunden am Lagerfeuer unter dem unfassbar schönen Sternenhimmel in Montana.


Liebe Menschen, die uns in ihrer Hauseinfahrt übernachten liessen, damit wir uns einen Moment von allem Ärger erholen konnten.


Mechaniker, die ihre eigentliche Arbeit liegen liessen, um uns zu helfen.


Abgesehen von der Vermietungsfirma haben wir ausschliesslich herzliche, freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt und viele spannende Gespräche geführt wie das in einem Cafe in Arcata mit einem ehemaligen Marihuanadealer aus der grossen Marihuanazeit als es noch illegal war. Denn Arcata Kalifornien ist eine Marihuanahochburg, wie wir damit erfahren haben.



Unsere Reiseroute:


Wir starteten in Seattle, fuhren zum Mount Baker. Weiter durch den North Cascades NP (NP = Nationalpark). Anschliessend nahmen wir die weite Reise in den Yellowstone NP auf uns. Wir erblickten dort Nummernschilder aus 42 verschiedenen Staaten (!). Der Yellowstone NP sucht wirklich seinesgleichen, ich bin so dankbar diesen Bucketlist Punkt erlebt zu haben. Nach dem Yellowstone fuhren wir zum Glacier NP. Anschliessend lernten wir J & J kennen und durften bei Ihnen in der Hausauffahrt pausieren, bevor wir weiter fuhren in den Mount Rainier NP. Der Mount Rainier hat uns total geflasht. Einer der schönsten Orte, der eine ganz besondere Magie hat. Weiter ging es in den Olympic NP und nach dem 2. Camperwechsel dann nach Oregon. Zuerst der Küste nach bis Cannon Beach und anschliessend nach Bend, wo wir ein Airbnb mieteten. Nach dieser Pause fuhren wir zum Smith Rock State Park, ein unfassbar schöner Flecken Erde. Nachdem wir den Camper abgegeben hatten, fuhren wir den Highway No 1 hoch bis Arcata und besuchten neben dem Redwood NP noch Brookings in Oregon. Wir traversierten zum Lake Tahoe und verbrachten eine unfassbar schöne Woche im Yosemite NP, der in goldenen Herbstfarben leuchtete und abends, nach Sonnenuntergang, in berührendem violett. Danach ging es zurück zur Küste, wir besuchten Monterey und fuhren einen Teil des Highway No 1 runter bis Big Sur. Zum Abschluss besuchten wir Verwandte von Dany in der Nähe von San Francisco und flogen dann nach Hawaii.






 
 
 

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